Zusammenfassung, Infografik, Videoquelle
Die Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) von 2025, wie sie von der Trump-Administration veröffentlicht wurde, stellt keine Abkehr der USA von der Weltbühne dar, sondern eine strategische Neuausrichtung zur Sicherung der globalen Vormachtstellung. Entgegen der Darstellung vieler westlicher Medien, die einen isolationistischen Kurs suggerieren, skizziert das Dokument eine aggressive Strategie, die China als zentrale Bedrohung für die US-Hegemonie identifiziert.
Die Kernpunkte der Strategie sind:
- Kurzfristiger Fokus auf die westliche Hemisphäre: Angesichts der Erkenntnis, dass die USA wirtschaftlich zu abhängig und militärisch zu verletzlich für eine direkte Konfrontation mit China sind, konzentriert sich die Strategie zunächst auf die Konsolidierung der Kontrolle über Lateinamerika. Unter Wiederbelebung der Monroe-Doktrin soll eine neue, von China unabhängige Lieferkette durch "Nearshoring" und "Friendshoring" von Produktionsstätten in der Region geschaffen werden. Dies dient der Vorbereitung auf einen zukünftigen Konflikt.
- Langfristige Konfrontation mit China: Der indopazifische Raum wird als entscheidendes wirtschaftliches und geopolitisches Schlachtfeld des 21. Jahrhunderts definiert. Das langfristige Ziel ist es, China wirtschaftlich zu schwächen, zu isolieren und die amerikanische Vormachtstellung in der Region zu sichern.
- Strategische Neuausrichtung gegenüber Russland: Die NSS strebt eine "Wiederherstellung der strategischen Stabilität" mit Russland an. Ziel ist es, Moskau von seiner engen Partnerschaft mit Peking zu lösen und so die Anti-China-Front zu stärken.
- Depriorisierung anderer Regionen: Europa und der Nahe Osten werden als strategisch weniger wichtig eingestuft. Europa soll für seine eigene Sicherheit aufkommen, aber als Absatzmarkt für US-Produkte erhalten bleiben. Afrikas Bedeutung wird primär auf die Gewinnung von Rohstoffen im Wettbewerb mit China reduziert.
- Ideologischer Rahmen: Die Strategie ist von einer Rhetorik des "Friedens durch Stärke", nationaler Größe und kultureller Überlegenheit geprägt. Sie enthält starke Elemente des Kulturkampfes (gegen Einwanderung, DEI etc.), die als Ablenkung von den Kernzielen der wirtschaftlichen und geopolitischen Dominanz zugunsten von US-Konzernen interpretiert werden.
Im Wesentlichen setzt die NSS 2025 die bereits unter der Obama-Administration begonnene "Pivot to Asia"-Politik fort, verschärft jedoch den konfrontativen Kurs gegenüber China und verankert ihn in einer neokolonialen Doktrin für die westliche Hemisphäre.
Präsentation: US-Plan für Globale Dominanz
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1. Übergeordnetes Ziel: Aufrechterhaltung der globalen US-Dominanz
Die NSS 2025 lässt keinen Zweifel an ihrem fundamentalen Ziel: der Sicherung und dem Ausbau der globalen Vormachtstellung der Vereinigten Staaten in allen Bereichen.
- Rhetorik der Überlegenheit: Das Dokument beginnt mit der Erklärung, es sei ein "Fahrplan, um sicherzustellen, dass Amerika die größte und erfolgreichste Nation der Menschheitsgeschichte und die Heimat der Freiheit auf Erden bleibt". Die Einleitung bekräftigt das Ziel, dass die USA "für die kommenden Jahrzehnte das stärkste, reichste, mächtigste und erfolgreichste Land der Welt" bleiben.
- Wirtschaft als Fundament der Macht: Die Strategie betont, dass die US-Wirtschaft "das Fundament ihrer globalen Position und die notwendige Grundlage ihres Militärs" ist. Die wirtschaftliche Dominanz wird als Voraussetzung für die militärische Überlegenheit angesehen.
- Reindustrialisierung als nationale Sicherheit: Die Forderung nach einer "Kultivierung der amerikanischen Industriestärke" wird als "höchste Priorität der nationalen Wirtschaftspolitik" bezeichnet. Dies zielt nicht primär auf die Schaffung von Arbeitsplätzen ab, sondern darauf, die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten, insbesondere bei der Waffenproduktion, zu beenden.
- Hard und Soft Power: Die Strategie fordert die Aufrechterhaltung einer "unübertroffenen Soft Power", um den US-Einfluss weltweit zur Förderung amerikanischer Interessen auszuüben. Dies wird als eine Form des Imperialismus neben der militärischen und wirtschaftlichen Macht (Hard Power) dargestellt.
2. China: Die zentrale strategische Herausforderung
China wird als der "potenteste und gefährlichste ebenbürtige Gegner" identifiziert, dem die USA je gegenüberstanden. Die Haltung gegenüber China hat sich von anfänglicher Arroganz zu einer Anerkennung seiner Stärke gewandelt.
- Gescheiterter Handelskrieg: Der Handelskrieg, der im April 2025 von der Trump-Administration begonnen wurde, offenbarte die Fehleinschätzung der USA. Finanzminister Scott Bessant behauptete damals, China spiele "mit einem verlorenen Blatt" und die USA hielten "alle Karten in der Hand".
- Chinas strategische Hebelwirkung: China reagierte mit der Einschränkung von Exporten Seltener Erden, die für die US-Hochtechnologie- und Rüstungsindustrie entscheidend sind. Dies war ein "massiver Weckruf" für Washington und zeigte die Verwundbarkeit der USA.
- Militärische Bedenken: Kriegssimulationen des US-Militärs zu einem potenziellen Konflikt um Taiwan ergaben in den meisten Szenarien eine Niederlage der USA oder ein Patt mit verheerenden Verlusten für beide Seiten. Selbst in den optimistischsten Szenarien wurde ein "Pyrrhussieg" prognostiziert, bei dem die US-Verluste erheblich wären.
- Marco Rubios Einschätzung: Der zum Außenminister und Nationalen Sicherheitsberater ernannte Marco Rubio beschreibt China als einen Gegner in allen Bereichen:
3. Die zweigleisige Strategie zur Eindämmung Chinas
Aufgrund der kurzfristigen Verwundbarkeit verfolgen die USA eine zweistufige Strategie: Zuerst die Konsolidierung der eigenen Einflusssphäre, dann die direkte Konfrontation.
3.1. Kurzfristig: Die Monroe-Doktrin und die "Festung Amerika"
Die unmittelbare Priorität ist die Sicherung der westlichen Hemisphäre als exklusive Einflusszone der USA.
- Wiederbelebung der Monroe-Doktrin: Die NSS kündigt an: "Nach Jahren der Vernachlässigung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin wiederbeleben und durchsetzen, um die amerikanische Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen." Dies wird als "Don Row Doctrine" bezeichnet und zielt darauf ab, die gesamte Region von Kanada bis Argentinien, einschließlich Grönland, unter US-Kontrolle zu bringen.
- Wirtschaftliche Entkopplung durch Nearshoring: Ein zentraler Aspekt ist die Verlagerung von Produktionsstätten aus China und Ostasien nach Lateinamerika ("Nearshoring" und "Friendshoring"). US-Konzerne sollen dort auf günstige Arbeitskräfte und die reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen (Öl, Mineralien, Agrarprodukte) zugreifen. Dies soll eine neue, von den USA kontrollierte Lieferkette schaffen und die wirtschaftliche Abhängigkeit von China reduzieren.
- Destabilisierung unabhängiger Staaten: Die Strategie sieht vor, unabhängige, insbesondere linke Regierungen in der Region, die mit China und Russland verbündet sind (z.B. Venezuela, Kuba, Nicaragua), zu stürzen und durch "regionale Champions" – den USA hörige Marionettenregierungen wie die von Javier Milei in Argentinien – zu ersetzen.
- Die Rolle von Marco Rubio: Als Außenminister und Nationaler Sicherheitsberater in Personalunion – eine Machtkonzentration, die es in der US-Geschichte nur bei Henry Kissinger gab – ist Rubio die treibende Kraft hinter dieser neokolonialen Lateinamerikapolitik.
3.2. Langfristig: Wirtschaftskrieg im Indopazifik
Nach der Konsolidierung der westlichen Hemisphäre soll der Fokus vollständig auf die Eindämmung Chinas im asiatisch-pazifischen Raum gelegt werden.
- Das entscheidende Schlachtfeld: Ein Schlüsselzitat aus dem Bericht lautet:
- "Win the economic future": Das explizite Ziel ist es, den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas zu stoppen und die Dominanz von US-Konzernen zu sichern. Die wirtschaftliche Konkurrenz mit China wird als "einer der größten wirtschaftlichen Kämpfe der kommenden Jahrzehnte" bezeichnet.
- Strategische Bedeutung Taiwans: Taiwan wird aus drei Gründen als entscheidend angesehen:
- Dominanz in der Halbleiterproduktion (TSMC).
- Geografische Lage als Teil der "zweiten Inselkette" zur Einkreisung Chinas.
- Kontrolle über die Schifffahrtsrouten im Südchinesischen Meer, durch die ein Drittel des Welthandels verläuft.
- Militärische Abschreckung: Die USA wollen eine "militärische Überlegenheit" erhalten, um China von einer Wiedervereinigung mit Taiwan abzuschrecken. Dazu sollen Verbündete der "ersten Inselkette" wie die Philippinen, Japan und Südkorea ihre Militärausgaben erhöhen und den USA verstärkten Zugang zu Stützpunkten gewähren.
4. Neuausrichtung der globalen Prioritäten
Die Fixierung auf China führt zu einer Neubewertung der strategischen Bedeutung anderer Weltregionen.
| Region | Strategische Priorität & Zielsetzung |
| Russland | Hoch: "Wiederherstellung der strategischen Stabilität", um die Partnerschaft zwischen Russland und China zu schwächen. Dies ist der Hauptgrund für den angestrebten Rückzug aus der Ukraine. |
| Europa | Mittel: Wird strategisch und militärisch depriorisiert ("Europa soll für seine eigene Sicherheit aufkommen"). Bleibt jedoch kulturell vital und als "gefangener Markt" für den Export von US-Waren und -Dienstleistungen wichtig. |
| Naher Osten | Niedrig: Durch die Energieunabhängigkeit der USA (weltgrößter Öl- und Gasproduzent) hat die Region an Bedeutung verloren. Hauptziele sind nur noch, die Energieversorgung vor dem Zugriff von Feinden (China) zu schützen und strategische Engpässe offen zu halten. |
| Afrika | Sehr niedrig: Wird fast ausschließlich als Arena für den Ressourcenwettbewerb mit China betrachtet. Die Ziele sind die "Nutzung der reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen Afrikas" und die "Öffnung ihrer Märkte für US-Waren und -Dienstleistungen". |
5. Instrumente der Machtprojektion
Die NSS listet eine Reihe von Werkzeugen auf, mit denen die USA ihre globale Dominanz durchsetzen wollen.
- Wirtschaftswaffen: Die USA werden ihren Markt und die globale Vormachtstellung des US-Dollars als Waffe einsetzen. Trump wird mit der Drohung zitiert, Länder, die den Dollar in Frage stellen, mit 100%-Zöllen zu belegen: "BRICS ist tot, seit ich das erwähnt habe."
- Technologische Dominanz: Die Strategie zielt darauf ab, die globale Führung von US-Technologiekonzernen aus dem Silicon Valley zu sichern und Konkurrenten wie chinesische Firmen zu verdrängen.
- Kommerzielle Diplomatie: Das Außenministerium und die Botschaften werden angewiesen, aktiv strategische Geschäfts-, Akquisitions- und Investitionsmöglichkeiten für amerikanische Unternehmen zu identifizieren und zu fördern, insbesondere in den Bereichen Energie, kritische Mineralien und Kommunikationsnetzwerke.
- Einschüchterung und Zwang: Das Dokument droht Ländern, die nicht mit den USA kooperieren:
6. Ideologischer Überbau und Kulturkampf
Ein markanter Unterschied zu früheren Strategiepapieren ist die starke Betonung von Kulturkampfthemen, die als innenpolitische Ablenkungsmanöver dienen sollen.
- Orwellsche Rhetorik: Die Strategie verwendet Slogans wie "Frieden durch Stärke" und behauptet eine "Neigung zur Nicht-Intervention", nur um im selben Atemzug zu erklären, dass eine "starre Einhaltung der Nicht-Intervention nicht möglich ist".
- Heuchlerischer Souveränitätsbegriff: Das Dokument betont, dass die USA keine Verletzung ihrer eigenen Souveränität tolerieren werden, während es gleichzeitig Pläne zur systematischen Verletzung der Souveränität anderer Nationen (wie Venezuela) detailliert.
- Kulturkampf als Ablenkung: Die NSS erklärt die "Ära der Massenmigration" für beendet, wendet sich gegen Diversität, Gleichheit und Inklusion (DEI) und will "kulturelle Subversion" stoppen. Diese Themen, die auf eine weiße, christliche Identität abzielen, lenken von den eigentlichen Zielen ab: der Bereicherung von Oligarchen und der Machtkonzentration bei Großkonzernen.
7. Kontinuität in der US-Außenpolitik
Die Analyse betont, dass die NSS 2025 trotz ihrer Rhetorik keine radikale Neuerung darstellt, sondern eine konsequente Weiterentwicklung einer seit über 15 Jahren bestehenden parteiübergreifenden Strategie ist.
- Fortsetzung des "Pivot to Asia": Die Strategie führt den von der Obama-Regierung 2011 ausgerufenen "Pivot to Asia" fort. Schon damals wurde die Asien-Pazifik-Region als das "politische und wirtschaftliche Gravitationszentrum der Welt" identifiziert.
- Historische Parallelen: Der Versuch, die Beziehungen zu Russland zu normalisieren, um sich auf China zu konzentrieren, spiegelt den "Russia Reset" von Außenministerin Hillary Clinton aus dem Jahr 2009 wider.
- Parteiübergreifender Konsens: Sowohl die Obama-, die erste Trump- als auch die Biden-Administration haben die Spannungen mit China konsequent verschärft. Die NSS 2025 formalisiert und beschleunigt diesen bereits etablierten Kurs.
- Fehlinterpretation durch die Medien: Die Berichterstattung, insbesondere in Europa und von der New York Times ("Trump's security strategy focuses on profit not spreading democracy"), wird als naiv und irreführend kritisiert, da sie die historischen Kontinuitäten und die wahren hegemonialen Ziele der US-Außenpolitik verkennt.
National Security Strategy of the United States of America 2025
Erstellt: 04.01.2026 - 12:06 | Geändert: 04.01.2026 - 14:07
