In den Jahren von 1977 bis 1997 machte der Begriff »Unterklasse« in den USA eine steile Karriere, um dann genauso schnell wieder aus der Debatte zu verschwinden. In Reaktion auf Unruhen in den Großstädten wurde mit dieser Bezeichnung nicht die soziale Realität in den Armutsgettos analysiert, sondern ein rassifizierter Volksteufel konstruiert und zu einer Bedrohung für die Gesellschaft stilisiert. Beispielhaft analysiert Wacquant im Detail, wie es dazu kommen konnte, dass eine ganze Generation der Armuts- und Rassismusforschung in den Bann einer solch schwammigen Begrifflichkeit gezogen werden konnte.
I:DES (Thema)
Ralf Ruckus untersucht in »Der kommunistische Weg in den Kapitalismus« die Entwicklung Chinas seit 1949 im Lichte des Wechselspiels von sozialen Kämpfen und Gegenmaßnahmen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Seit Gründung der Volksrepublik reagiert die KPCh auf Unruhen von Arbeiter:innen, Bauern und Bäuerinnen, Migrant:innen sowie Frauen_ mit einer Mischung aus Repression, Zugeständnissen, Kooptierung und Reformen. In der sozialistischen Periode folgten in den 1950er-Jahren auf Streiks und die Kritik der Hundertblumen-Bewegung, die Anti-rechts-Kampagne und die Reformen des »Großen Sprungs nach vorne«; in den 1960er-Jahren schlug das Regime die soziale Revolte im Rahmen der Kulturrevolution militärisch nieder und versuchte dann, dem Sozialismus neues Leben einzuhauchen ...
In einem Bordell von San José kommt ein Zyklop, ein einäugiges Kind zur Welt, das folgerichtig auf den Namen Polyphem getauft wird. Die Huren verstecken den Jungen und Jerónimo, Ex-Mönch und Bruder der Bordellköchin, kümmert sich um ihn und bringt ihm die Welt bei, wie er sie aus den gelehrten Büchern kennt. Mit einer Baseballkappe über dem Auge bricht Polyphem aus in die Stadt und spielt mit den Straßenkindern. Jetzt ist auch Jerónimo bereit, sich von Polyphem mitnehmen zu lassen, und gemeinsam ziehen sie durch die Straßen und Märkte, der Möch und das Kind.
Dieser Lektüreschlüssel versucht dem Leser einen Interpretationsleitfaden an die Hand zu geben, um zu verstehen, was "Projekt Lightspeed" wirklich über die Entwicklung von BioNTechs Kassenschlager beschreibt:
2020 begann die grandiose Erfolgsgeschichte des Deutsch-Türkischen Forscherehepaares Uğur Şahin und Özlem Türeci, die mit ihrer modRNA-Technologie auszogen, die Welt vor dem tödlichsten Virus aller Zeiten zu retten. Ohne jedes Risiko zu scheuen, entwickelten sie den erfolgreichsten Corona-Impfstoff aller Zeiten und fanden nebenbei noch die Zeit, diese spannende Phase ihres Lebens für die Nachwelt in Form eines Spiegel-Bestsellers unter dem Titel "Projekt Lightspeed" zu veröffentlichen. "Projekt Lightspeed" ist ein wichtiges Zeitdokument der Entwicklung des Corona-Impfstoffes aus dem Hause BioNTech/Pfizer.
Im vorliegenden Band werden erstmals kritische Stimmen ausnahmslos von People of Color zusammengebracht - Schwarze Deutsche, Roma und Menschen mit außereuropäischen Flucht- und Migrationshintergründen. Ihre widerständige Wissensproduktion und ihr politischer Erfahrungsaustausch bringen alternative Diskussionen hervor. Sie setzen sich mit Rassismus, Islamophobie und ausgrenzenden Migrations- und Integrationsregimes auseinander und diskutieren Fragen von individuellem und kollektivem Widerstand, antirassistischer Kulturpolitik und postkolonialen Denkansätzen.
Während Albert Cohen in Frankreich als Schriftsteller ersten Ranges gilt, ist er hierzulande beinahe unbekannt. Oh, ihr Menschenbrüder (fr. Ô vous, frères humains) begriff er als sein Testament. In dem Alterswerk wendet sich Cohen, der sich dem Tode nahe sieht, seinem sehr viel jüngeren Ich zu und teilt darin seine Erfahrung mit, die ihn zeitlebens nicht mehr loslassen sollte. Als er an seinem zehnten Geburtstag von einem französischen Straßenhändler als Jude beschimpft wird, bricht für ihn eine Welt zusammen.
Träume und Katastrophen haben das amerikanische Projekt von Anfang an begleitet. Das Kino ist der Ort, wo sie aufgegriffen, verhandelt und neu konzipiert wurden. Die Essays dieses Bandes widmen sich den kulturellen Imaginationen Amerikas als einer Geschichte der Heimsuchungen. Elisabeth Bronfen stellt dazu Crossmapping als ein Verfahren vor, welches Verbindungslinien zwischen Literatur, Film und anderen Medien aufzeigt, etwa das kulturelle Nachleben von Shakespeare und Wagner in Hollywood.
Wie unter einem Brennglas zeigt David E. Arns den Weg der südhessischen Kleinstadt Pfungstadt in den Faschismus. Angeregt durch seinen späteren Doktorvater William Sheridan Allen und unterstützt durch seine damalige Ehefrau Gudrun untersuchte Arns 1972 den Übergang zur Nazi-Diktatur. Er konnte noch viele Zeitzeugen befragen, auch aus bürgerlichen Kreisen, die den Nazis den Weg ebneten. Obwohl Pfungstadt eine deutliche Mehrheit von SPD und KPD hatte, war jede Opposition innerhalb weniger Wochen ausgeschaltet.
Manipulativ, gewaltverherrlichend, zu politisch oder nicht politisch genug - den Filmen von Meisterregisseur Oliver Stone wurde schon vieles vorgeworfen, aber kalt ließen sie niemanden. Nun erzählt der kontroverse Oscar-Preisträger in seiner Biografie erstmals von seiner Kindheit in New York, dem Vietnamkrieg, aus dem er verwundet zurückkehrte, seiner Zeit als Taxifahrer, seinen Kämpfen und Triumphen und den Dreharbeiten zu Filmen wie Wallstreet, Natural Born Killers und Scarface. Er gewährt intime Einblicke in seine Karriere, insbesondere in das aufregende und verrückte Leben im Hollywood der 1970er- und 1980er-Jahre.
Likes, Shopping, Candy Crush - wo verstecken sich Belohnungsreize in unserem Alltag und wie abhängig sind wir?
Belohnungsreize sind allgegenwärtig. Soziale Netzwerke, Onlineshopping, Sexualität, Ernährung, Gaming: Geködert werden wir überall. Ungesteuerter Dauerkonsum und emotionale Enthemmung nehmen zu. Belohnungsaufschub, Fokussierungsfähigkeit, Frustrationstoleranz und Impulskontrolle werden zum Problem. Die Neurologin und Sexualtherapeutin Heike Melzer deckt auf, wo sich Belohnungsreize im Alltag verstecken, was sie bewirken und wie wir die Kontrolle zurückgewinnen.